Schmuckgeschichte: Eine Zeitreise

Nicht nur wir sind heute in der Lage individuellen und aufwändigen Schmuck herzustellen, sondern auch unsere Vorfahren und deren Vorfahren waren wahre Künstler ihrer Kreativität!

Schmuck gehörte schon damals – und damit meinen wir, vor sehr, sehr langer Zeit (!) – zu den ersten Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen und ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil jeder Gesellschaft und Kultur. Je nach Zeitalter, gesellschaftlichem Stand und Funktion wurde Schmuck aus den unterschiedlichsten Materialien und in den unterschiedlichsten Formen und Farben hergestellt. Also nicht nur wir sind heute in der Lage individuellen und aufwändigen Schmuck herzustellen, sondern auch unsere Vorfahren und deren Vorfahren waren wahre Künstler ihrer Kreativität – aber liest selbst!

Vorzeit / Steinzeit – die vermuteten Anfänge von Schmuck
vor ca. 2 Mio. Jahren bis 2000 v. Chr.

Unser heutiges Wissen über die Schmuckstücke aus früheren Zeiten stammt zum überwiegenden Teil aus Grabbeigaben, die Archäologen bei Ausgrabungen ans fanden und von Höhlenmalereien. Zum Beispiel in England fanden Forscher in Gräbern in der Nähe der Kultstätte von Stonehenge um 2.300 v. Chr. die bisher ältesten europäischen Grabbeigaben aus Gold.

Den Wunsch, sich zu schmücken, gab es bereits während den Anfängen der Menschheit. Schon in der Steinzeit dienten Schmuckstücke dazu, sich nicht nur damit zu zieren, sondern auch den gesellschaftlichen Stand zu betonen. Schmuck galt jedoch auch immer als ein wertvoller Besitz. In den menschlichen Anfängen der Vor- und Steinzeit verwendete man einfachste Materialien und Mittel, um sich zu schmücken. Damals bestand der Schmuck hauptsächlich aus Steinen und Naturmineralien, also z.B. Holz und anderweitigen in der Natur zu findenden Produkten. So schmückte man sich zu der Zeit mit Muscheln- und Schneckengehäuse, Tierzähne, Fischwirbel und Perlen und hängte sich diese z.B. mit einer Lederkordel um den Hals.

Interessant zu betrachten ist der Umstand, dass sich der Schmuck sowohl gleichzeitig in Afrika, Asien, Australien und Europa ausgebreitet hat. Als Grund dafür nimmt man die ansteigende Bevölkerungsdichte der Erde an, sodass Unbekannte häufiger aufeinandertrafen. Was auch immer der Grund für die zeitgleiche Popularität des Schmuckes ist – es steht fest, dass mithilfe der Schmuckstücke schnell verdeutlicht werden konnte, welchem Stand man angehörte. So wussten

In Museen sind viele dieser Schmuckstücke, die aus Perlen, Steinen, Muscheln, Federn hergestellt wurden, ausgestellt und liefern so ihren Beitrag zur Zeitgeschichte. Sie geben Aufschluss über die Materialien, die damals vorhanden waren, die Schönheitsideale, aber auch die geographischen Verhältnisse, die vorherrschten. Denn wo Muscheln in den Schmuck gearbeitet wurden, dort musste doch auch ein Meer oder Salzwasser in der Nähe gewesen sein.


Keltische Handwerker brachten die Emaillierung weiter voran, sodass Emaille-Schmuck, ähnlich, wie wir ihn heute kennen, entstand.


Kelten ca. 400 v. Chr.

Ja, richtig, auch die Kelten haben einen wichtigen Bestandteil zur geschichtlichen Entwicklung von Schmuck beigetragen. Denn Sie haben den sogenannten Emaille Schmuck auf eine nächste Ebene gehoben. Die Technik der Anwendung von Emaille stammte prinzipiell aus der minoischen und mykenischen Zeit, in der man einfache verkrustete emaillierte Stücke hergestellt hat, doch die keltischen Handwerker brachten die Emaillierung weiter voran, sodass Emaille Schmuck, ähnlich, wie wir ihn heute kennen, entstand.

Antike 1200 v. Chr. Bzw. 800-600 n. Chr.

Das Interesse an Kunst und Kultur ging mit dem Beginn des antiken Zeitalters einher, somit auch das Bedürfnis nach Schönheit und Schmuck. Die Entwicklung gewann an Professionalität und Komplexität, als die Menschen sesshaft wurden und so konnte man durch die Entdeckung von Bronze, Kupfer, Eisen und anderen Metallen dem Schmuck zunehmend Vielfalt und Individualität verleihen. Die jeweiligen Metalle wurden in Spiralen, Metallperlen, Ringe und Scheiben verarbeitet. Mithilfe der Metallverarbeitung und zunehmend effektiveren Fertigungsmethoden wurden weitere Schmuckformen wie Colliers und Ohrringe entworfen.

Bereits zu jener Zeit gewann der individuell an den Träger angepasste Schmuck an Wichtigkeit, sodass Frauen ohne Schmuck durchaus an Ansehen einzubüßen hatten. In der vorchristlichen Zeit fungierte Schmuck jedoch nicht nur zum Wohle der Lebenden, sondern diente auch als gängige Grabbeigabe.

Mittelalter ca. 500 – 1500 n. Chr.

Im Verlaufe der Industrialisierung verlor Schmuck für einige Zeit etwas an Bedeutung, zum größten Teil, weil sich die Arbeiterschicht bedingt durch schlechte finanzielle Situationen, Staub und Dreck der damaligen Zeiten nur bedingt erlauben konnte, etwas derart Schimmerndes und Wertvolles zu tragen.

Lediglich das wohlhabende Bürgertum leistete sich zu jener Zeit einen gelegentlichen Besuch beim Juwelier, dessen Branche ab dem Mittelalter da zu einer Höchstform auflief. Könige, Kaiser und der Adel verfügten über den prunkvollsten Schmuck, den sie auch gern zur Schau stellten. Im europäischen Mittelalter schenkte nun auch der Bräutigam seiner Braut zur Verlobung eine kostbare Brosche. Diese begleitete sie ihr ganzes Leben lang.
Die Schmuckstücke dieser Zeit zeigten oftmals verschlungene ornamentale Muster.

NEUZEIT ab 15./16.Jhd. bis heute

Barock (frühe Neuzeit) 1600-1720 n. Chr.

Der Barock brachte viel Veränderung mit sich, denn hier stieg die Bedeutung von Schmuck ins Unermessliche – zumindest bei den Menschen, die über genügend Geld verfügten, um sich diesen leisten zu können. Der Schmuck im Barock war stark durch den Einfluss Frankreichs geprägt, so bestimmte in Europa der Sonnenkönig, Ludwig XIV. den Geschmack der Zeit. Er überhäufte seine Mätressen mit kostbaren Schmuckstücken und Klunkern. Der König liebte es jedoch auch, sich selbst mit prunkvollen Ringen und Broschen zu schmücken.

Im Barock dominierten florale Schmuckdesigns, Silber setzte sich als Material für Schmuck durch und ebenso entwickelte die Mehrheit der adeligen Damen eine Vorliebe für die wertvolle Gruppe der Diamanten. Der Diamant gewann zunehmend an Beliebtheit und so gewährte der Kardinal Mazarin den Steinschleifern Experimente am Edelstein. Schliffarten, wie der Mazarinschliff mit 32 Facetten und der allbekannte Rosenschliff entstanden.

Die Möglichkeiten der Gestaltung von Schmuckstücken erweiterten sich rasant, weil es praktikabel wurde, Diamanten durch Schleifen zu einem besonderen Funkeln zu verhelfen. Interessant ist, dass im Frankreich dieser Epoche der Bedarf an Schmucksteinen und Diamanten so dermaßen anstieg, dass er mit natürlichen Ressourcen nicht mehr zu decken war. Der Juwelier und Erfinder Georges Frédéric Strass schaffte im Jahr 1730 eine glänzende Alternative für den Diamanten: Strasssteine – oder auch „Diamanten aus Glas“ – waren geboren und gewannen binnen kürzester Zeit auf der ganzen Welt an zunehmender Beliebtheit. Strass funkelt ebenso sehr schön, ist aber um ein vielfaches günstiger als ein echter Diamant – das machte damals und auch heute Schmuckstücke mit Strasssteinen zu äußerst beliebten Accessoires.

Ebenso zu dieser Zeit kreiierte Christopher Pinchbeck mithilfe von Zink und Kupfer eine ernstzunehmende, gute Imitation von Gold. Der Schmuckmacher ermöglichte es Frauen, Schmuck von ihrem eigenen Geld kaufen zu können – was niemand Geringeres als die Modedesignerin Coco Chanel nur zu gerne unterstützte. Sie kombinierte z.B. Kleidungsstücke mit unechten Perlenketten, um Frauen zu signalisieren, dass wahrhaftiger Stil nicht immer teuer sein muss.

Viktorianische Zeitalter 1837 bis 1901 n. Chr.

Bis zu diesem Punkt in der Zeitgeschichte war es, wie bereits öfter erwähnt, hauptsächlich Menschen hoher sozialer Klassen möglich, Schmuck mit Edelsteinen zu erwerben, doch in der Epoche der englischen Königin Victoria war es nun auch möglich, Edelsteine synthetisch herzustellen.
So wurde derartiger Schmuck auch Menschen mit einem kleineren Geldbeutel zugänglich gemacht.

Die Königin bevorzugte Smaragde, Rubine, Saphire und Diamanten im Rosen- oder Cabochonschliff für ihren Schmuck. Mancher Hersteller von glitzerndem Industrieschmuck (mit Edelsteinimitaten) ließ sich dabei von den Vorlieben der Königin inspirieren und brachte diesen wiederum der Bevölkerung näher.

Besonders beliebte Schmuckmotive waren in dieser Zeit Vorbilder aus der Tier- und Pflanzenwelt. Königin Victoria trauerte Jahrzehnte um ihren geliebten Gemahl Albert. Dies zeigte sich auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild: Sie trug oft schwarz und Schmuckstücke aus schwarzem Gagat – oder auch Pechkohle genannt -, der sich in Europa durch und durch als Trauerschmuck durchsetzte. In der Zeit des 19. Jahrhunderts waren Schmuckstücke für den täglichen Gebrauch aus sog. Walzgold, Elfenbein und Perlmutt modern.

20.Jahrhundert – heute

Schmuck ist nicht mehr wegzudenken. Frauen – und auch zunehmend mehr Männer – verlassen das Haus nicht mehr ohne ein oder mehrerer Schmuckstücke. Echt oder Imitat – Schmuck hat die Aufgabe, zu glänzen, aufzufallen und auf die unterschiedliche, individuelle Garderobe abgestimmt zu sein.

Im Jahr 1910 wurde der Brillantschliff für Diamanten durch die Erfindung der Schleifscheibe möglich. Der bisher übliche Rosenschliff kam kaum noch zur Anwendung, da der Brillantschliff mit seinen mindestens 56 funkelnden Facetten die Steine besser und mit weniger Materialverlust zur Geltung brachte.

Zu Zeiten von synthetischen Edelsteinen, Strasssteinen, Goldimitaten und noch vieles mehr, entstand nun endlich, der uns heute allseits bekannte „Modeschmuck“. Der Fantasie und dem Erfindungsreichtum der Schmuckdesigner waren nun keine Grenzen mehr gesetzt. Ob echt – also aus kostbaren Materialien gefertigt – oder nicht: Ohne Modeschmuck wäre die Mode der „Goldenen Zwanziger“ mit ihren langen Wachsperlenketten, dem glitzernden Haarschmuck und den aufwendigen Colliers nicht denkbar. Neben Altbekanntem wie Email, Bernstein, Gold und Silber wurde zunehmend auch Kunststoffe für die Gestaltung von Schmuckstücken verwendet.

Heute gibt es eine unüberschaubare Menge an verschiedenen Schmucktrends. Während viele Menschen gerne ihre Individualität unterstreichen, gibt es andere, die ihre Gruppenzugehörigkeit mit Schmuckstücken demonstrieren. Lang, kurz, filigran, opulent, schimmernd oder matt, Gold oder Silber, Grenzen gibt es keine mehr und für jeden Schmuckliebhaber ist etwas dabei.

Die oft sehr aufwendig gestalteten Broschen, Ringe, Ketten, Armbänder und Diademe aus längst vergangenen Zeiten erstaunen aber selbst heute immer noch zahlreiche Menschen, weshalb diese Schmuckstücke im Antikhandel auch teilweise erstaunlich hohe Preise erzielen – können wir nachvollziehen, denn unsere Vorfahren haben wahre Meisterwerke geschaffen und wir können nur unser bestes geben, um in diese sagenhaften Fußstapfen zu treten.

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